5 Fragen an... Ursula Wentzek

 

1. Wo engagieren Sie sich? 

Ich engagiere mich im AK Asyl für geflüchtete Menschen und verstehe mich als 'Türöffnerin' für alle 'Türen', die noch verschlossen sind, wenn sie Zuflucht in unserem Land suchen. Das geht über das Erklären eines amtlichen Schreibens bis hin zur komplizierten Asylberatung und Begleitung zu den Anhörungen über Hilfe in sehr privaten Fragen. Schwerpunktmäßig helfe ich alleinstehenden jungen Männern aus Syrien, weil ich glaube, dass die es am schwersten haben. Ich versuche, Türen zu öffnen, doch durch die Türen gehen müssen sie selber - und dann den Weg weitergehen bis zur nächsten Tür - und dort stehe ich dann wieder  - hoffentlich!

2. Wie sind Sie an diese ehrenamtliche Tätigkeit gekommen?
Als Kind und Jugendliche bin ich mit den Erzählungen meiner Eltern aus der Zeit des Nationalsozialismus und der Bombardierungen des Ruhrgebiets großgeworden. Meine Heimatstadt Witten hatte sehr unter den Kriegsfolgen zu leiden - wie so viele andere Städte. Alle Erzählungen haben mich sehr geprägt. Viele Jahre habe ich in Witten in einer Friedensinitiative mitgearbeitet und Biografien desertierter junger Männer während des 2. Weltkrieges recherchiert. Als ab Sommer 2015 v.a. junge Männer aus dem syrischen Kriegsgebiet geflohen sind, empfand ich es als meine Aufgabe, den Deserteueren der Gegenwart helfen zu müssen.

3. Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich für Ihr Projekt wünschen?
Obwohl beim Ak Asyl viele engagierte Menschen helfen, könnten es noch mehr sein, denn die fast 2-jährige Tätigkeit dort hat mir gezeigt, dass eine fast 1:1 - Betreuung für eine gute Integration - was immer das übrigens genau ist - nötig ist.

4. Haben Sie eine Philosophie oder eine Vision, die hinter Ihrem Engagement steht?
Im Laufe der Zeit ist wohl so etwas wie eine Philosophie entstanden. Im Anfang stand das 'Geben' im Vordergrund - unmittelbare Not lindern. Es wurde immer mehr gleichwertig eine 'Beschenkt werden'! Es sind neue, gute, tiefe Freundschaften entstanden - viele, viele Gespräche und Begegnungen haben mir andere Kulturen sehr nahe gebracht.

5. Was meinen Sie persönlich in welchem Bereich Schwerte neues Engagement und neue Projekte gut gebrauchen könnte?
Jedes Projekt kann noch mehr Hilfe brauchen!


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